Hereditäre Tumorerkrankungen

Erblicher nicht polypöser Dickdarmkrebs (HNPCC, Lynch-Syndrom)

Dickdarm-Krebs (Kolon-Carcinom) zählt zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland, von dem etwa 6-7% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen sind. Insgesamt haben etwa 20-30% der Erkrankten eine deutliche erbliche Komponente; in etwa 5% liegt ein Tumorsyndrom vor, das auf der Mutation eines einzelnen Gens beruht. Von diesen ist das Lynch-Syndrom (HNPCC) mit ca. 3% am häufigsten. Etwa 1% der Kolon-Carcinome entstehen auf der Basis eines erblichen Polyposis.

Aus der Familiengeschichte wird ein Verdacht auf HNPCC abgeleitet, wenn alle Amsterdam-Kriterien oder eines der revidierten Bethesda-Kriterien erfüllt sind:

Amsterdam-Kriterien:

  • Vorangegangener Ausschluss einer Familiären adenomatösen Polyposis (FAP),
  • Mindestens drei Familienangehörige erkrankten an einem HNPCC-assoziierten Karzinom, wovon einer
    Verwandter ersten Grades der beiden anderen ist,
  • Erkrankungen in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Generationen und 
  • mindestens ein Patient mit der Diagnose eines Carcinoms ist jünger als 50 Jahre.

Revidierte Bethesda-Kriterien:

  • Patienten mit kolorektalem Carcinomvor dem 50. Lebensjahr
  • Patienten mit synchronen oder metachronen kolorektalen Carcinomen oder anderen
    HNPCC-assoziierten Tumoren 2, unabhängig vom Alter.
  • Patienten mit kolorektalem Carcinom mit MSI-H Histologie 3 vor dem 60. Lebensjahr.
  • Patient mit kolorektalem Carcinom (unabhängig vom Alter), der einen Verwandten 1. Grades
    mit einem kolorektalen Carcinom oder einem HNPCC-assoziierten Tumor vor dem 50. Lebensjahr hat.
  • Patient mit kolorektalem Carcinom (unabhängig vom Alter), der mindestens zwei Verwandte
    1. oder 2. Grades hat, bei denen ein kolorektales Carcinom oder ein HNPCC-assoziierter
    Tumor (unabhängig vom Alter) diagnostiziert wurde.

 

Bei Vorliegen von Tumormaterial ist gemäß S3-Leitlinie für kolorektales Carcinom eine Stufendiagnostik mit Untersuchung am Tumorgewebe (IHC, MSI-Analyse) und ggf. eine Analyse der HNPCC-Gene (MLH1/PMS2 oder MSH2/MSH6) im Blut vorgesehen.

Liegt kein Tumormaterial vor, sollten bei Erfüllung der Amsterdam-Kriterien alle HNPCC-Gene im Blut analysiert werden. HNPCC-Panel: MSH2, MSH6, MLH1, PMS2, EPCAM

Die Analyse erfolgt mittels Next-Generation-Sequencing (NGS) für HNPCC/ Lynch-Syndrom

Literatur: S3-Leitlinie Kolorektales Carcinom, AWMF-Register 021/ 007OL Vers. 1.1 (2014)


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